Eine gute GEO-Agentur beantwortet jede dieser zehn Fragen ohne Ausweichen: mit offengelegter Methodik, in Wahrscheinlichkeiten statt Garantien und mit einer nachvollziehbaren Preisstruktur. Wer bei mehreren Fragen blockt oder mit Zahlen antwortet, die er nicht belegen kann, verkauft dir wahrscheinlich ein umbenanntes SEO-Paket.
GEO ist ein junges Feld. Das zieht ernsthafte Anbieter an – und Leute, die ihr altes SEO-Paket umbenannt haben. Der Unterschied zeigt sich nicht in der Website der Agentur, sondern in einem Gespräch. Diese zehn Fragen kannst du in jedem Erstgespräch stellen, egal bei wem du anfragst. Es geht nicht darum, die Agentur vorzuführen, sondern darum, zu hören, ob hinter dem Angebot ein Prozess steckt oder nur ein Label. Ein verwandter Beitrag listet die konkreten Warnsignale bei GEO-Anbietern – diese Checkliste ist die Gesprächsvorbereitung dazu.
Frage 1Welche KI-Systeme prüft ihr konkret – und wie oft?
„Wir schauen, ob ChatGPT dich nennt“ ist keine Methodik. Du willst wissen: ChatGPT, Claude, Gemini – welche davon, in welcher Version, und wie oft wird nachgeprüft? Einmal im Monat ist etwas anderes als einmal im Quartal, und KI-Antworten schwanken genug, dass eine einzelne Abfrage wenig aussagt.
Gute Antwort: Eine konkrete Liste der geprüften Systeme und ein festes Prüfintervall, das im Angebot steht.
Achtung, wenn: nur unbestimmt von „den KIs“ die Rede ist oder das Intervall offenbleibt.
Welche Prompts legt ihr zugrunde, und wie wählt ihr sie aus?
Ob du genannt wirst, hängt komplett davon ab, welche Frage gestellt wird. Eine Agentur, die dich bei „beste Agentur für [dein Nischenthema]“ testet, misst etwas anderes als eine, die nur deinen Firmennamen eingibt. Frag, wie die Prompt-Liste entsteht: aus deiner echten Zielgruppe und deren Suchsprache, oder aus einer generischen Vorlage?
Gute Antwort: Die Prompts leiten sich aus deinen Kundenfragen und deinem Angebot ab und werden dir vorab gezeigt.
Achtung, wenn: die Prompt-Liste „intern“ bleibt oder für alle Kunden gleich aussieht.
Zeigt ihr mir die Roh-Ergebnisse oder nur einen zusammengefassten Score?
Ein einzelner Wert wie „AI-Visibility-Score: 72“ klingt greifbar, ist aber wertlos, wenn du die tatsächlichen KI-Antworten dahinter nicht siehst. Du willst die Roh-Ausgaben lesen können: Wer wurde genannt, in welcher Reihenfolge, mit welcher Begründung, mit welchen verlinkten Quellen?
Gute Antwort: Du bekommst die vollständigen Antworttexte oder Screenshots, nicht nur eine aggregierte Kennzahl.
Achtung, wenn: der Score das einzige Deliverable ist und die Methode dahinter nicht offengelegt wird.
Garantiert ihr eine Nennung oder Platzierung?
Die einzige richtige Antwort ist „nein“. Die bislang umfassendste kritische Übersichtsarbeit zu generativer Sichtbarkeit hat 45 Studien ausgewertet und kommt zu dem Ergebnis, dass keine einzelne GEO-Technik einen stabilen, dauerhaften und plattformübergreifenden Effekt nachweisen konnte.[1] Wer dir trotzdem eine feste Platzierung „in X Wochen“ zusichert, verspricht etwas, das technisch nicht zusicherbar ist.
Gute Antwort: „Nein – wir arbeiten an den Grundlagen und den Wahrscheinlichkeiten, eine Garantie wäre unseriös.“
Achtung, wenn: von „garantierter Sichtbarkeit“ oder einer festen Nennung bis zu einem Stichtag die Rede ist.
Was genau ändert ihr an meinen Inhalten – und warum wirkt das?
Du willst konkrete Maßnahmen hören, nicht Schlagworte. In einer viel zitierten Studie von Forschenden aus Princeton, Georgia Tech, IIT Delhi und dem Allen Institute for AI gehörten das Einbinden verifizierbarer Statistiken und Quellenangaben zu den wirksamsten Anpassungen – mit bis zu rund 40 % Verbesserung auf einer der getesteten Sichtbarkeits-Metriken, allerdings stark schwankend je nach Themenfeld und nur auf Basis von zwei getesteten Systemen.[2] Eine Agentur, die weiß, was sie tut, kann solche Hebel benennen und erklären, warum sie greifen.
Gute Antwort: Klare, überprüfbare Struktur, belegte Aussagen, sauberes Schema-Markup, konkrete Beispiele aus deiner Branche.
Achtung, wenn: die Antwort bei „wir optimieren deinen Content für KI“ stehen bleibt.
Wodurch unterscheidet sich euer GEO-Angebot von klassischem SEO?
GEO teilt Grundlagen mit SEO, ist aber nicht dasselbe. Wenn sich das Leistungsverzeichnis eins zu eins wie ein altes SEO-Angebot liest, nur mit neuem Namen, ist das ein Signal. Frag nach den Punkten, die über klassisches SEO hinausgehen: Struktur für die maschinelle Extraktion, Belegbarkeit einzelner Aussagen, laufendes Monitoring der KI-Antworten selbst. Der Unterschied zwischen AEO und SEO lässt sich in einem Satz erklären – wenn die Agentur das nicht kann, ist das aussagekräftig.
Gute Antwort: Eine klare Trennlinie zwischen „das ist gutes SEO, das brauchst du auch“ und den zusätzlichen GEO-spezifischen Maßnahmen.
Achtung, wenn: die Antwort im Kern lautet „GEO ist einfach modernes SEO“.
Wie messt ihr Fortschritt, wenn KI-Antworten schwanken?
KI-Systeme antworten nicht bei jeder Abfrage gleich. Generative Sichtbarkeit ist laut der oben genannten Übersichtsarbeit ein mehrstufiger, teils zufallsbehafteter Prozess – von der Suchaktivierung über Retrieval bis zur Zitierung.[1] Eine seriöse Agentur arbeitet deshalb mit einem Vorher-Zustand, wiederholten Messungen über Zeit und einer ehrlichen Einordnung der Schwankung, statt einen Sprung von einer Woche zur nächsten als Erfolg zu verkaufen.
Gute Antwort: Baseline plus Trend über mehrere Messzeitpunkte, mit Hinweis darauf, dass einzelne Ausschläge Rauschen sein können.
Achtung, wenn: aus einer einzelnen guten Abfrage ein „+X % Sichtbarkeit“ gemacht wird.
Welche eurer Taktiken sind belegt, welche sind Hypothese?
Ein ehrlicher Anbieter kann diese Trennung ziehen. Belegt sind eher die inhaltsnahen Hebel – thematische Relevanz zwischen Frage und Text und die Position wichtiger Aussagen im Dokument zählen laut der Übersichtsarbeit zu den am besten reproduzierbaren.[1] Generische Tricks, die „überall funktionieren“ sollen, übertragen sich dagegen schlecht auf neue Themen und Plattformen.[1] Ein Beispiel für einen überverkauften Hebel: Google-Vertreter John Mueller nannte die Datei llms.txt Mitte 2026 „purely speculative“, weil bis dahin kein KI-System sie nutzt.[3] Eine llms.txt anzulegen schadet nicht – sie als bewährten Ranking-Faktor zu verkaufen schon.
Gute Antwort: „Diese Maßnahmen haben Studienbelege, diese setzen wir aus Erfahrung ein, diese testen wir gerade.“
Achtung, wenn: alles gleich sicher dargestellt wird und jede Taktik angeblich „nachweislich“ wirkt.
Wem gehören die erstellten Inhalte und Zugänge nach Vertragsende?
Artikel, Schema-Code, das Monitoring-Setup, die Prompt-Liste, die Analytics-Zugänge: Klär vor Vertragsschluss, was davon dir gehört und was du behältst, wenn die Zusammenarbeit endet. Sonst zahlst du für Aufbau, der mit der Kündigung verschwindet.
Gute Antwort: Inhalte und Zugänge liegen bei dir bzw. gehen bei Vertragsende vollständig an dich über – schriftlich.
Achtung, wenn: Inhalte auf einer Plattform der Agentur liegen und nicht exportierbar sind.
Wie sind Laufzeit, Kündigungsfristen und Zwischen-Checkpoints geregelt?
GEO braucht Zeit, das ist normal. Ein Vertrag, der dich über viele Monate bindet, bevor du überhaupt ein erstes Zwischenergebnis siehst, verschiebt das Risiko aber komplett auf dich. Achte auf faire Kündigungsfristen und definierte Punkte, an denen gemeinsam bewertet wird, ob es in die richtige Richtung geht.
Gute Antwort: Überschaubare Mindestlaufzeit, klare Kündigungsfrist, feste Review-Termine mit Abbruchoption.
Achtung, wenn: lange Bindung ohne Zwischenbewertung und ohne Ausstieg.
Was du mit den Antworten machst
Keine einzelne unbefriedigende Antwort disqualifiziert eine Agentur. Aber wenn sich bei mehreren Fragen dasselbe Muster zeigt – ausweichen, Fachbegriffe statt konkreter Prozesse, Zahlen ohne Beleg – dann sparst du dir mit diesem Gespräch viel Geld. Denselben Maßstab kannst du an diesen Blog und den kostenlosen KI-Sichtbarkeits-Report anlegen: echte Live-Abfragen bei ChatGPT, Claude und Gemini, offengelegte Methodik, keine erfundenen Zahlen. Wer selbst prüfen will, findet die Schritte im 7-Schritte-GEO-Audit.
Quellen
- [1] Olivier Martinez (Sciences Po): „Optimizing Visibility in Generative Engines: A Critical Survey of Generative Engine Optimization (2023-2026)“, arXiv:2607.14035 (15. Juli 2026). arXiv ist ein Preprint-Repository ohne Peer-Review-Nachweis.
- [2] Aggarwal, Murahari, Rajpurohit, Kalyan, Narasimhan, Deshpande: „GEO: Generative Engine Optimization“, Princeton University / Georgia Tech / IIT Delhi / Allen Institute for AI, KDD 2024 (arXiv:2311.09735).
- [3] Roger Montti: „Google Says LLMs.txt Is ‘Purely Speculative’ For Now“, Search Engine Journal (2. Juni 2026), mit Zitat von John Mueller (Google).
Häufige Fragen
Woran erkenne ich eine seriöse GEO-Agentur?
An der Bereitschaft, die Methodik offenzulegen: welche KI-Systeme mit welchen Prompts wie oft geprüft werden, welche Rohdaten dahinterstehen und welche der eingesetzten Taktiken tatsächlich belegt sind. Seriöse Anbieter sprechen in Wahrscheinlichkeiten statt Garantien und legen eine aufgeschlüsselte Preisstruktur vor.
Kann eine GEO-Agentur eine Nennung bei ChatGPT garantieren?
Nein. Es gibt bislang keinen nachgewiesenen, dauerhaften und plattformübergreifenden Effekt einer einzelnen GEO-Technik,[1] und niemand steuert, wie KI-Systeme im Detail antworten. Eine Garantie auf eine feste Nennung oder Platzierung ist deshalb ein Warnsignal, kein Qualitätsmerkmal.
Was ist der Unterschied zwischen GEO und einem umbenannten SEO-Paket?
Gutes SEO ist die Grundlage, reicht aber nicht. GEO braucht zusätzlich eine Inhaltsstruktur, die KI-Systeme sauber extrahieren können, belegbare Aussagen und passendes Schema-Markup. Wenn ein Leistungsverzeichnis sich eins zu eins wie ein altes SEO-Angebot liest, ist der neue Name oft das Einzige, was neu ist.
