Wer bei Google oben steht, wird von ChatGPT & Co. noch lange nicht empfohlen. In 180 KI-Antworten auf Fragen nach Finanzberatern in den zehn größten Städten Nordrhein-Westfalens tauchten 81 % der bei Google gut platzierten unabhängigen Berater kein einziges Mal auf. Empfohlen wurden vor allem Anbieter, die für genau die gestellte Frage eine passende Seite hatten – oft ohne Büro in der jeweiligen Stadt.
Basis: 180 Antworten (15 Fragen × 4 KI-Systeme × 3 Durchläufe), 99 unabhängige Berater aus den Google-Top-20 je Stadt.
Was ich gemessen habe
Ich habe ChatGPT, Claude, Gemini und Perplexity 15 Fragen gestellt, wie sie Menschen auf der Suche nach einem Finanzberater stellen – zum Beispiel „Welchen unabhängigen Finanzberater in Köln kannst du empfehlen?“ oder „Wer berät in Bochum zur Ruhestandsplanung?“. Jede Frage lief dreimal pro System, weil KI-Antworten schwanken. Die genannten Anbieter habe ich mit den 20 ersten Google-Treffern für „Finanzberater [Stadt]“ in Köln, Düsseldorf, Dortmund, Essen, Duisburg, Bochum, Wuppertal, Bielefeld, Bonn und Münster abgeglichen. Von diesen 200 Treffern waren 99 unabhängige lokale Berater; der Rest waren Repräsentanten von Finanzvertrieben, Bankberater und Filialen überregionaler Ketten. Details stehen unten unter Methode und Grenzen.
1. Gute Google-Platzierung bringt kaum KI-Empfehlungen
Nur in 16 % der Antworten zu einer Stadt (25 von 156) nannte die KI einen Berater aus Googles Top 20 genau dieser Stadt. In fünf der zehn Städte – Düsseldorf, Bonn, Dortmund, Duisburg und Wuppertal – passierte das in keiner einzigen Antwort.
Insgesamt wurden 80 der 99 bei Google gut platzierten unabhängigen Berater in keiner der 180 Antworten genannt. Und wer genannt wurde, teilt sich die Aufmerksamkeit mit wenigen anderen: Die fünf meistgenannten lokalen Berater vereinen 79 % aller Nennungen.
2. Wer empfohlen wird: Anbieter mit passender Seite – auch ohne Büro vor Ort
Der auffälligste Befund: Ein Kölner Honorarberater wurde in 61 der 180 Antworten genannt, verteilt auf neun Städte. Bei den Fragen nach einem Berater in Wuppertal tauchte er in allen zwölf Antworten auf. Ein Wuppertaler Berater aus Googles Top 20 wurde dort kein einziges Mal genannt. Als Quelle zitierten die KI-Systeme jeweils seine Stadtseite, etwa eine eigene Seite zur unabhängigen Finanzberatung in Wuppertal.
Dasselbe Muster zeigt sich bei mehreren Honorarberatungen und Beraternetzwerken, die nicht unter Googles Top 20 standen, aber für viele Städte eigene, konkret formulierte Seiten haben. Die KI-Systeme greifen das auf, was die gestellte Frage am direktesten beantwortet.
Bemerkenswert ist auch, wer sonst empfohlen wird: Die Verbraucherzentrale war mit 65 Antworten die am häufigsten genannte einzelne Anlaufstelle. In 22 % der Antworten nannten die Systeme ausschließlich Großanbieter – Banken, Vertriebe oder Ketten – und keinen einzigen lokalen unabhängigen Berater.
3. Jede KI empfiehlt andere Berater
Welche Berater genannt werden, hängt stark vom System ab. Zwischen zwei KI-Systemen überschnitten sich die genannten Berater je Frage nur zu 15 bis 40 %. Claude nannte die meisten lokalen Berater aus der Stichprobe (12), Perplexity die wenigsten (3). Und auch dasselbe System antwortet nicht immer gleich: Wurde eine Frage wiederholt, tauchte ein zuvor genannter Berater nur in 70 % der Fälle erneut auf. Eine einzelne Abfrage sagt daher wenig – aussagekräftig wird KI-Sichtbarkeit erst über viele Abfragen und mehrere Systeme hinweg.
4. Google-Bewertungen helfen – aber nur ein wenig
Berater, die von der KI genannt wurden, hatten im Mittel mehr Google-Rezensionen (81 gegenüber 40) und standen bei Google weiter oben (Platz 6 gegenüber Platz 10). Der Zusammenhang ist jedoch schwach:
| Google-Signal | Anteil von der KI genannt |
|---|---|
| Google-Platz 1–5 | 29 % |
| Google-Platz 6–10 | 18 % |
| Google-Platz 11–20 | 12 % |
| über 100 Rezensionen | 30 % |
| unter 20 Rezensionen | 12 % |
Auch 71 % der Berater auf Googles Plätzen 1 bis 5 wurden nie empfohlen. Die beiden am häufigsten genannten lokalen Berater standen bei Google nur auf Platz 10 und Platz 15 – einer davon mit gerade einmal acht Rezensionen. Die Sternebewertung unterscheidet kaum, weil fast alle Berater 4,9 oder 5,0 Sterne haben.
5. Welche Quellen die KI-Systeme nutzen
Die Systeme gehen sehr unterschiedlich mit Quellen um. ChatGPT zog pro Antwort im Schnitt rund 57 Quellen aus der Websuche heran, zitierte im Antworttext aber nur etwa 3,5. Gemini zitierte dagegen alle rund 10 gefundenen Quellen, Claude etwa 4 von 6, Perplexity 3 von 10.
Was die zitierten von den übergangenen Quellen unterscheidet, zeigt ein einfacher Vergleich: Bei 68 % der zitierten Quellen steht die Stadt aus der Frage in der Adresse oder im Seitentitel – bei den nur gefundenen, aber nicht zitierten Quellen sind es 28 %. Die KI-Systeme greifen bevorzugt auf Seiten zurück, die die gestellte Frage wörtlich treffen.
Am häufigsten zitiert wurden Stadtseiten von Honorarberatungen und Beraternetzwerken, die Verbraucherzentrale NRW sowie Verzeichnisse und Bewertungsportale für Finanzberater. Die eigenen Websites der Berater aus Googles Top 20 dienten dagegen kaum als Quelle: Nur zwei von 88 Websites wurden überhaupt zitiert.
Was das für Finanzberater bedeutet
- Google-Ranking und Bewertungen reichen nicht. Sie helfen etwas, entscheiden aber nicht, ob eine KI dich empfiehlt.
- Die KI empfiehlt, was sie zitieren kann. Anbieter mit einer klaren Seite pro Stadt und Frage („unabhängige Finanzberatung in Wuppertal“) wurden auffällig oft genannt – auch ohne Büro vor Ort.
- Verzeichnisse und Portale zählen mit. Ein Teil der Empfehlungen stützt sich auf Einträge in Beraterverzeichnissen und Bewertungsportalen.
- Einmal prüfen reicht nicht. Die Antworten schwanken zwischen Systemen und Wiederholungen. Wer wissen will, wo er steht, muss regelmäßig und über mehrere Systeme messen.
Wie das konkret für eine Finanzberatung aussieht und wo du heute stehst: KI-Sichtbarkeit für Finanzberater & Vermögensverwalter.
Methode und Grenzen
- Erhebung: 2. Oktober 2026. 15 vorab festgelegte Fragen (je eine bis zwei pro Stadt, eine zum Ruhrgebiet, eine zu NRW insgesamt), jeweils dreimal an jedes System gestellt. 180 Antworten, keine Ausfälle.
- Systeme: ChatGPT (GPT-6 Luna), Claude (Sonnet 5.5), Gemini (3.6 Flash), Perplexity (Preset „fast“) – jeweils das günstigste Modell, das die kostenlose App zum Erhebungszeitpunkt nutzte, abgefragt über die offiziellen Programmierschnittstellen mit aktivierter Websuche. Die Antworten in der App-Oberfläche können davon abweichen.
- Stichprobe: Die ersten 20 Treffer der Google-Suche „Finanzberater [Stadt]“ in den zehn größten Städten NRWs (200 Treffer). Nach festen Regeln getrennt in 99 unabhängige lokale Berater, 65 Vertriebsrepräsentanten, 10 Bankberater, 22 Filialen überregionaler Ketten und 4 Ausschlüsse (Adresse außerhalb der Stadt oder fachfremd). Die Stichprobe bildet die bei Google sichtbaren Berater ab, nicht alle Berater in NRW.
- Auswertung: Nennungen der Stichproben-Berater per festem Namensabgleich (inkl. Kurzformen und Personennamen), alle übrigen Anbieter per automatischer Extraktion mit anschließender, dokumentierter Bereinigung. Quellen und Suchbegriffe stammen direkt aus den Antworten der Schnittstellen.
- Grenzen: Momentaufnahme einer Branche in einer Region. Andere Formulierungen der Fragen können andere Ergebnisse liefern. Korrelationen zwischen Google-Signalen und KI-Nennungen sind schwach und belegen keine Ursache.
- Unabhängigkeit: Die Studie wurde von Hans Gülker (ki-gefunden-werden.de) selbst finanziert und durchgeführt. Kein genannter Anbieter hat für die Studie bezahlt oder sie beauftragt. Einzelne Berater werden nicht bewertet.
Häufige Fragen
Welche KI-Systeme wurden getestet?
ChatGPT, Claude, Gemini und Perplexity – jeweils mit dem günstigsten Modell, das die kostenlose Version der App am 2. Oktober 2026 nutzte (GPT-6 Luna, Claude Sonnet 5.5, Gemini 3.6 Flash, Perplexity „fast“), immer mit Websuche.
Warum gerade Finanzberatung?
Finanzberatung ist eine Vertrauensentscheidung, bei der viele Menschen vorab recherchieren – zunehmend auch per KI. Gleichzeitig gibt es in jeder Stadt viele vergleichbare Anbieter. Das macht den Unterschied zwischen sichtbar und unsichtbar besonders deutlich.
Heißt das, Google-Bewertungen sind egal?
Nein. Berater mit vielen Rezensionen und guten Google-Plätzen wurden etwas häufiger genannt. Der Zusammenhang ist aber schwach: Auch 71 % der Google-Top-5 tauchten in keiner Antwort auf, und die meistgenannten lokalen Berater standen bei Google nur auf Platz 10 und 15.
Sind die Ergebnisse auf andere Branchen übertragbar?
Nicht direkt. Die Studie misst eine Branche in einer Region zu einem Zeitpunkt. Das Muster – KI-Systeme empfehlen andere Anbieter als die Google-Suche – deckt sich aber mit der Forschung zu KI-Suchsystemen.
Kann ich die Daten einsehen?
Redaktionen und Forschende erhalten auf Anfrage die anonymisierten Rohdaten und den genauen Fragenkatalog.
Für Redaktionen
Alle Grafiken dürfen mit Quellenangabe frei verwendet werden (Lizenz CC BY 4.0): Kernzahl, Städte, Wer empfohlen wird, Wuppertal, Zitierte Quellen, Google-Platz, Quellen je KI (PNG, 2000 px breit). Der vollständige Fragenkatalog und die anonymisierten Daten sind auf Anfrage erhältlich. Bitte zitieren als: Gülker, H. (2026): Wen empfiehlt die KI? Finanzberatung in NRW. ki-gefunden-werden.de, Erhebung vom 2. Oktober 2026.
Pressefotos Hans Gülker
Download in voller Auflösung: Hochformat 4:5 (2694 × 3368 px), Querformat 3:2 (4128 × 2752 px), Quadrat (3000 × 3000 px), Original (4128 × 6192 px). Abdruck honorarfrei im Zusammenhang mit der Berichterstattung über diese Studie.
Pressekontakt: Hans Gülker, info@ki-gefunden-werden.de


